Diskriminierung aus Altersgründen ist nicht hinnehmbar!

15. Februar 2010 von René Künzli Einen Kommentar hinterlassen »

Mögen Sie von Herabsetzungen und Diskriminierungen verschont bleiben – wobei es sich übrigens um Straftatbestände handelt, die in der Bundesverfassung explizit aufgeführt sind. Es gibt ganz offensichtliche Formen der Diskriminierung, die auch klar einklagbar sind. Anders ist es jedoch bei den subtilen, fein «verpackten» Diskriminierungen. Infrastrukturen, die für Behinderte nicht zugänglich sind. Vortragsräume ohne technische Einrichtung für Hörbehinderte. Arztpraxen im ersten Stock – ohne Lift. Produkte, bei denen die Ingenieure und Techniker den Kunden die volle Bedienungskomplexität zumuten und sie damit oft an die Grenze der Inkompetenz führen. Anstatt dafür zu sorgen, dass die Komplexität hinter einer einfachen und bedienerfreundlichen Armatur verborgen bleibt.

Verpackungen können oft nicht geöffnet werden
Oder denken Sie an die Verpackungen und Verschlüsse, die ohne Werkzeug oft gar nicht geöffnet werden können. Allein dieser Umstand verursacht mehrere Tausend, zum Teil schwere Verletzungen im Jahr. Was denken Sie über die Beschriftungen auf Verpackungen? Ist es nicht schizophren, dass Lupen an Einkaufswagen montiert werden müssen, damit die Kundinnen und Kunden die Texte lesen können? Der Gesetzgeber ist, durch seine Auflagen, massgeblich Mitverursacher dieses Unsinns.
Die Kritik richtet sich jedoch nicht nur an die Wirtschaft. Der Staat mischt da an vorderster Front mit. Die ganze Komplexität der Staatsbürokratie wird den Unternehmen und den Bürgerinnen und Bürgern ungehemmt zugemutet. Steuererklärungen, die von vielen nicht mehr selber ausgefüllt werden können, sind nicht nur eine Zumutung, sondern auch diskriminierend. Auch wer schon einmal um- oder neu gebaut hat, kann ein Lied von der Komplexität der Staatsbürokratie singen.

Abhängigkeit beschleunigen
Diese subtilen Formen der Diskriminierung sind zwar nicht strafbar, verletzen aber gleichwohl die Gefühle der Menschen, weil sie in ihrer Selbständigkeit eingeschränkt werden, oder anders ausgedrückt, weil die allzu komplexen Vorgänge die Abhängigkeit
beschleunigen. Etwas bösartig könnte man unterstellen, das ganze habe System. Abhängigkeiten auf der einen Seite versprechen Verdienstmöglichkeiten auf der anderen. Es gibt genügend Berufsgruppen, die ausgezeichnet davon leben und nicht das geringste Interesse haben, den Status quo zu ändern.

Die terzStiftung setzt sich ein, dass Menschen selbständig bleiben können. Daraus ergibt sich, dass wir gegen die aufgezeigte Entwicklung sind und uns vehement für Reduktion von Komplexität einsetzen. Diese Strategie kann nicht falsch sein, wenn wir die Menschenwürde und den Generationenwandel ernst nehmen.

Aufruf zum Meinungsaustausch
Sind Sie persönlich schon - ausschliesslich aufgrund Ihres Alters - diskriminiert worden? Wenn ja: Welche Situationen haben Sie erlebt oder halten Sie für diskriminierend? Halten Sie unsere Forderung für richtig, dass zusätzlich ein Bundesgesetz neu erlassen werden soll, das Altersdiskriminierung umfassend verbietet? Sollten alle Altersbeschränkungen ersatzlos abgeschafft werden – abgesehen von denen, die dem Jugendschutz dienen?

Schreiben Sie uns Ihre Ansicht und nehmen Sie bitte an nebenstehender Umfrage teil.

Ihr René Künzli
Präsident der terzStiftung

Weitere Aspekte zum Thema „Altersdiskriminierung“ finden Sie hier

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  1. Antje Spichiger sagt:

    In 2 Fällen seit Dezember 2009 habe ich vernommen, dass Menschen ab 70 keine Haustiere mehr anvertraut werden mit der Bemerkung, sie seien zu alt. Jedesmal die Auskunft von Tierheimen, welche dem Tierschutz unterstellt sind, einmal ganz konkret vom Tierschutz Kt. Aargau. Nach nochmaliger Rückfrage hiess es plötzlich, das Tier sei vermittelt, also keine Chance.

    Das finde ich sehr unschön und eine Diskriminierung.

    Antje

  2. Walter Wenk sagt:

    Ich bin froh, dass terz die Stimme erhebt gegen die bestehende Altersdiskriminierung. Am 7. März 2010 stimmen wir über den “Tieranwalt “ab. Die Prioritäten scheinen mir etwas durcheinander geraten zu sein! Ich bin für ein Bundesgesetz gegen die Altersdiskriminierung und wünsche mir terz als dessen Anwalt.

  3. Christoph Künzli sagt:

    Persönlich bin ich gegen jede Form von Diskriminierung. Das Verbot der Diskiminierung ist im Artikel 8 Abs. 2 der Bundesverfassung geregelt: “Niemand darf diskriminiert werden, namentlich nicht wegen…..,des Alters, etc. etc.” In der Praxis ist es oftmals so, dass gerade das “Nützlichkeitsdenken” zu Diskriminierung von insbesondere ärmeren, älteren Menschen führen kann (im Sinne von Benachteiligungen oder Vernachlässigungen). Die Formen der subtilen und offensichtlichen Diskriminierungen sind vielschichtig in unserer Gesellschaft. Ich finde die Diskussion wichtig und begrüsse es, dass sich die terzStiftung für die ältere Generation einsetzt.

  4. Hans Moser sagt:

    Dass man bei Senioren, die siebzig und mehr Jahre alt sind, Hemmungen hat, ihnen ein Haustier anzuvertrauen, ist zwar unschön, aber doch einigermassen verständlich.
    Was geschieht mit einem Haustier, dessen Halterin oder Halter stirbt? Bei einer Katze mag es noch angehen, nicht aber bei einem Hund. Hunde sind stark auf ihre Halterin oder ihren Halter bezogen und leiden unter dem Verlust. Katzen sind diesbezüglich anpassungsfähiger.
    Ich kann also die Hemmungen, über Siebzigjährigen ein Haustier neu anzuvertrauen, durchaus verstehen. Klar sollte sein, dass man niemandem sein Haustier wegnimmt, so lange Gewähr dafür besteht, dass man es noch richtig betreuen kann. Dass Haustiere auch Betagten das Leben bereichern, ist natürlich unbestritten.

    • Meg Tilly (Jg 1961) sagt:

      Das Argument, was mit dem Tier passiert, wenn der Halter stirbt, ist hanebüchen. Auch junge Tierhalter können sterben und hinterlassen dann ein Tier.
      In den Tierheimen finden sich immer wieder Tiere, die sechs Jahre und älter sind. Oft finden sie keine neuen Besitzer, weil sie zu alt seien. Für ältere Menschen können aber genau diese Tiere ein Vorteil sein. Sie müssen nicht mehr in die Welpenschule mit dem Hund, das Tier ist vielleicht nicht mehr so quirlig, dass es mehr mit dem Besitzer als dieser mit ihm spazieren geht.
      Zudem gäbe es doch die Möglichkeit, sich mit Verwandten – und wenn diese fehlen – mit Nachbarn oder dem Tierheim selbst abzusprechen, was mit dem Tier geschehen sollte, wenn man vorher stirbt. Traut den älteren und alten Menschen doch eigenständiges Denken und gesunden Menschenverstand zu!

  5. Barbara Wenk sagt:

    Es kann nicht sein, dass Design vor Handling steht.
    Im öffentlichen Verkehr sind die Niederflurwagen gut, doch Festhaltemöglichkeiten bei Stehplätzen sind oft sehr spärlich vorhanden oder für ältere Menschen nicht erreichbar.
    Der Knopf zum „Halten verlangen“ ist im Sitzen oft nicht erreichbar. Die Sturzgefahr, vor allem von älteren und von trittunsicheren Menschen ist enorm gross.
    Billetautomaten werden immer komplexer und für ältere Menschen sind sie sehr oft nicht mehr bedienbar.
    Hörgeräte werden immer kleiner. Ältere Menschen können die Batterien oft nicht mehr selber auswechseln.
    Beschriftungen und Preisschilder sind oft wegen der kleinen Schrift nicht lesbar. Zusätzlich sind die Preise auf den Lebensmitteln selber nicht deklariert, vor allem ältere Menschen können keine Preisvergleiche machen oder ihre Ausgaben kontrollieren.
    Ich bin froh, dass sich terz gegen die Altersdiskriminierung wehrt.

  6. Margrit Läuchli sagt:

    Ich bin im öffentlichen Dienst entlassen worden mit den Worten:”Ich als Dienstchefin habe das Recht, alle 60 jährigen zu entlassen.” Das ist für ich ein lebenslanges Trauma. Umso mehr als ich kurz vorher sehr gute Qualifikationen bekommen habe. Ich habe mich auch lebenslänglich auf verschiedenen Gebieten weitergebildet. Im Sport- und Turnunterricht, ebenso auf Wanderung, hat es sich jeweils erwiesen, dass ich fiter bin als die Jugendlichen, usw. usf.
    Doch die Diskriminierung hat noch kein Ende. Jetzt muss ich dauern hören, dass ich zu den faulen “jungen Alten” gehöre, die zu Unrecht die Pensionskassen plündern. Wie bitte soll ich bis 67 arbeiten, wenn ich mit 60 entlassen werde?

  7. Judith Fässler sagt:

    Bei einer Gewerbeaustellung wurden von einm Fittnescenzer Gutscheine verteilt, ich bin mehrmahls daran vorbeigegengen habe aber keinen Gutschein bekommen. Als meine Tochter dabei war wurde Ihr sofort ein Gutschein überreicht. Eigentlich hatte ich die Absicht gehabt dieses Fitnesscenter zu besuchen aber so sehen die mich bestimmt nie bei Ihnen.
    Ist man bei noch nicht mal 70 Jahren dafür wirklich schon zu alt’

  8. Jean Ph.Mundorff sagt:

    COOP als Grossverteiler macht regelmässig Aktionen mit günstigen Preisen. Der Nachteil dabei ist, dass häufig Mengen für Grossfamilien mit dem günstigen Preis gekoppelt sind. Aeltere Ehepaare oder Singels werden damit ganz klar diskriminiert, weil sie nicht in der Lage sind Alles auf einmal zu konsumieren.

  9. Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) beantragt strengere Auflagen für die Untersuchung der Fahreig-nung. Viele Hausärzte werden verzichten und dadurch die Untersuchung den Amtsärzten überlassen. Dies ist nicht im Sinne einer fairen Verbesserung. Alternative: In Zweifelsfällen eine praktische und stressfreie Fahrprobe statt abstrakte “Chlötzlispiele”!
    Seniorinnen und Senioren haben Anrecht auf Fairness – auch zur Beurteilung ihrer Mobilität!-

    • Albert Ziegler sagt:

      BRAVO!
      Genau soo denke auch ich.
      Eine praktische vernünftige FAHRPROBE
      mit einem “anständigen” (?!?)
      Experten würde ich seehr begrüssen.
      KEINE Dökterli-Spiele!!

      • Ich hätte wirklich einige Antworten auf die Diskriminierung i.S. von meinem ersten Auto-Unfall vom 10. Febr. 2010 als unschuldige Fahrerin und wurde bereits am Telefon vom Amt als ” eben über 70-jährige” in schroffem Ton diskriminiert und bereits vorgemerkt ” ich müsse dann “mit meinem Jahrgang!!!” ohnehin eine Kontrollfahrt machen und sehr wahrscheinlich den Ausweis abgeben.
        All dies im voraus – bevor das Gericht richtig abgeklärt hat.
        Gerne würde ich noch mehr über meinen Fall erzählen.

        Einzigartig war nun – dass nach Monaten die Antwort der Behörde kam “:
        Trotz klaglosem Fahren seit Jahren müssen Sie den Fahrausweis l Monat lang abgeben.
        Da staunt man – und junge Raser die “töteten” fahren weiter und bezahlen für ein Menschenleben gerade 2000.– !!!

  10. marlies Klaus sagt:

    Solche Erfahrungen wie Frau Fässler gemacht hat sind an der Tagesordnung, aber das fängt nicht erst bei 70 an. Auch das Verkaufspersonal macht Unterschiede an den “Kassen” usw. Sogar “exgüsi Grosi” ist eine Beleidigung. Aber viele getrauen sich nicht zu wehren und lassen das einfach zu. Solches Verhalten nervt mich, sehe ich so etwas, kann ich den Mund nicht halten und ich schreibe zusätzlich ein e_mail an die Firma. In den Antworten wird jedesmal erklärt, dass sie nur etwas ändern können, wenn sie darauf hingewiesen werden. Wir leben in einer “Ellbogen” Gesellschaft und das wollen wir ändern, weil wir wissen, dass das nicht gut ist; aber das kann der Einzelne nicht! PS nur Mut Frau Fässler,nicht verzichten, ich kenne 80jährige die Krafttraining machen. Verzichten Sie deswegen nicht!

  11. Wolfgang Haschka sagt:

    Altersgrenze ist eigentlich ein Synonym für “Nicht mehr genügend einsatzfähig”. das ist wahrscheinlich höflicher.
    Die Altersgrenze ist eine willkürlich gesetzte Grenze (stammt glaube ich vom Bismark). In modernen Zeiten sollte das ersetzt werden durch Einsatzfähigkeit, festgestellt an dem Wirken eines Menschen.
    Etwas anderes ist die Amtsbeschränkung in Machtpositionen um Korrumpierung zu vermeiden.

  12. willi aerne sagt:

    Was bei den bisherigen Kommentaren noch fehlt, ist die Diskriminierung bei den Krankenkassen, wo schon ab 60 oder 65 jahren keine Zusatzversicherungen mehr abgeschlossen werden können oder die Prämien für bestehende Versicherungen übermässig erhöht werden. Ich zahle seit 55 Jahren laufend höhere Prämien – zum Glück ohne Leistungen in Anspruch nehmen zu müssen. Jetzt im Alter, wo ich die Versicherung vielleicht einmal brauchen könnte, stellt sich immer mehr die Frage, ob ich sie mir noch leisten kann.

    • Gundel Kaiser sagt:

      Ihr Text bezüglich Krankenkassen ist mir aus dem Herzen gesprochen! Wieder erhalte ich eine neue Police: Beitrag auf der Grundversicherung ist 66.00 Fr. höher als im letzten Jahr. “Unabhängige Versicherungsagenten rufen täglich an und wollen günstige Angebote, speziell für Zusatzversicherungen unterbreiten. Wenn sie mein Alter, 68 Jahre, hören, erhalte ich die Antwort: “In Ihrem Alter….” wenn ich das schon höre! Ich fühle mich topfit.

  13. Ilse Czamek sagt:

    Hallo, ich bin Jg. 1942 und noch nicht so betroffen. Was mich aber betroffen gemacht hat, ist die Einstellung der deutschen Jugend gegenüber allen Grauhaarigen! Dort ist ja das Problem der nicht mehr finanzierbaren Renten schon länger akut, was bei uns noch eintreffen wird. – Dass Behinderungen in Bauten usw. in der so reichen Schweiz immer noch nicht gesetzlich verboten sind, wundert mich seit je! – Was mir nicht gefällt: Warum werden Beschwerden mit dem Attribut “Alters-…” versehen und so stigmatisiert? Jede Art von Behinderung kann jeden und jede in jedem Alter treffen, und wir sollten soweit kommen, dass von Haus aus alles für alle zugänglich geplant wird. Herzliche Grüsse aus Walenstadt

  14. Lotte Bieri-Isler sagt:

    Ich bin ganz Ihrer Meinung und danke Ihnen für Ihren Einsatz zu diesem Thema .

  15. Wir sind aktive Mitglieder der TerzStiftung und unterstützen hiermit die Umfragen zu altersbedingten Anliegen auf dem Internet vollumfänglich.

    Die älterwerdenden Generationen sollten sich nicht bevormunden lassen, sondern sich für Ihre Freiheiten und Unabhängigkeit aktiv einsetzen.

  16. Susanne Bhatnagar sagt:

    Ich habe mit meinem Mann 15 Jahre in den USA gelebt, dort dient der Fahrausweis auch als ID Karte, nach 10 Jahren, ab Ausstellungsdatum, muss der Fahrausweis in diesem Monat erneuert werden, das heisst, man füllt ein Formular aus, in dem man ankreuzen muss ob man Brillenträger ist, ein neues Foto wird von der Polizei gemacht und zusammen mit etwelchen Änderungen im neuen Fahrausweis festgehalten, ebenso ob man im Todesfall ein Organspender sein möchte. In diesem Fall kommt es zu keiner Altersdiskriminierung. Der heutige Verkehr ist sehr hektisch und viele Fahrer sind ungeduldig,das verlangt sehr viel Konzentration, mein Vorschlagen, könnte die terzStiftung mit dem Touring Club zusammen ein Programm ausarbeitet, welches Tips, eine Test Fahrstunde für Senioren, Computer Spiele welche die Reaktion fördern anbieten können. Ich glaube jeder der “älteren” Fahrer könnte davon profitieren.

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